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Reise-Panorama
Steile, karge Felsküste auf Amorgos mit türkisblauem Wasser, einzelnen Felsbrocken in der Bucht und einer Felsinsel im Meer
Foto: iliastefanidis30 / Pixabay, Pixabay-Inhaltslizenz

Europa & Inseln

Amorgos: Was bietet die Kykladeninsel abseits des Trubels?

Ein Kloster in der Felswand, Buchten, die oft nur zu Fuß oder per Boot erreichbar sind, und alte Pflasterwege zwischen den Dörfern. Wie Amorgos funktioniert, welche Strände zu wem passen und wie lange die Anreise wirklich dauert.

Von Redaktion 8 Min. Lesezeit

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Amorgos ist die östlichste Insel der Kykladen und hat laut der griechischen Statistikbehörde ELSTAT 2.188 gemeldete Einwohner (Volkszählung 2021). Wer hierher kommt, bekommt Steilküste, Buchten ohne Hotelriegel, ein Kloster in der Felswand und ein Netz alter Pflasterwege. Großen Rummel gibt es nicht. Der Preis dafür ist eine lange Anreise.

Bekannt wurde die Insel durch Luc Bessons Film „Im Rausch der Tiefe“ (Le Grand Bleu, 1988), der zum Teil am Strand Agia Anna und am Wrack der Olympia gedreht wurde. Die griechische Tourismusorganisation GNTO beschreibt Amorgos trotzdem als Ziel für Leute, die Ruhe suchen. Das passt: Die meisten Strände haben wenig oder gar keinen Service.

Hinweis für Wanderer: Das Auswärtige Amt warnt für Griechenland im Sommer vor hoher Waldbrandgefahr und Hitze. Auf Wanderungen gehören Sonnenschutz, viel Trinkwasser, ein geladenes Handy und eine Powerbank ins Gepäck, unterwegs nur gut ausgeschilderte Wege nutzen. Auf den Inseln kann die medizinische Versorgung mangelhaft sein, Rettungswagen brauchen deutlich länger als in Deutschland (Stand 22.10.2026). Notruf: 112.

Lage und Orte: Katapola oder Aigiali?

Die Insel ist lang und schmal, ein Gebirgsrücken mit steilem Abfall nach Süden. Sie hat zwei Häfen, und beide eignen sich als Standort. Katapola im Westen liegt in einer tiefen Bucht und ist laut GNTO der ruhigere Ort. Aigiali im Nordosten ist um eine geschützte Bucht herum gebaut, jünger im Publikum und hat den größten Sandstrand der Insel direkt vor der Tür.

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Dazwischen liegt auf dem Bergrücken die Chora, der Hauptort. Enge Gassen, weiße Häuser, über dem Viertel Troullos stehen nach Angaben der Reederei Blue Star Ferries 11 halb verfallene Windmühlen. Auf dem Felsen thront eine venezianische Burg aus dem 13. Jahrhundert. Die Bergdörfer Tholaria und Langada über Aigiali sind Ausgangspunkte für Wanderungen, im Süden liegt das landwirtschaftlich geprägte Kato Meria mit Arkesini und Kalotaritissa.

StandortCharakterStrand im OrtGut für
Katapolaruhig, Fährhafenschmal, Boot nach MalteziKloster, Chora, Minoa
Aigialilebhafter, Barsgrößter SandstrandWandern im Norden, Levrossos
ChoraBergort, keine Küstekein StrandAbende, Museum, Ausflüge

Anreise: Fähre ab Piräus oder über Naxos

Amorgos hat keinen Flughafen. Blue Star Ferries fährt nach eigenen Angaben bis zu dreimal pro Woche ab Piräus, Abfahrt an den Toren E6 und E7. Die Überfahrt dauert ab 8 Stunden 30 Minuten. Weitere Verbindungen bestehen nach Naxos, Paros, Astypalea, Donoussa und Iraklia, schnellere Katamarane anderer Reedereien kommen in der Saison dazu.

Der schnellere Weg führt oft über Naxos. Laut GNTO dauert der Flug Athen–Naxos 45 Minuten, die Fähre von Naxos nach Katapola zwischen 1 Stunde 15 Minuten und 6 Stunden, je nach Schiff und Zwischenstopps. Ein Rechenbeispiel ohne Wartezeiten zeigt den Unterschied:

Route ab AthenFlugFähreReine Fahrzeit
Piräus direkt0 hab 8,5 hab 8,5 h
Über Naxos, schnelles Schiff0,75 h1,25 h2,0 h
Über Naxos, langsames Schiff0,75 h6 h6,75 h

In der Praxis kommen Umsteigezeiten am Flughafen und im Hafen hinzu, oft zwei bis drei Stunden. Wer an einem Tag aus Deutschland anreisen will, sollte die Fährzeiten vor dem Flug buchen, nicht umgekehrt. Ob das Schiff in Katapola oder Aigiali anlegt, steht im Fahrplan: Nicht jede Verbindung läuft beide Häfen an.

Das Kloster Chozoviotissa

Das Kloster Panagia Chozoviotissa ist das Wahrzeichen der Insel und der Grund, warum viele überhaupt nach Amorgos fahren. Es klebt östlich der Chora an der Steilküste über dem Meer. Laut der Ephorie für Altertümer der Kykladen nennen spätere Patriarchen-Urkunden 1088 als Gründungsjahr, unter Kaiser Alexios I. Komnenos. Der Bau hat acht Geschosse, ist 40 Meter lang und an keiner Stelle breiter als 5 Meter.

Blue Star Ferries gibt die Höhe mit rund 300 Metern über dem Meer und den Aufstieg mit etwa 350 Stufen an. Unten an der Straße gibt es einen Parkplatz, den Rest geht man zu Fuß. Die Treppe liegt in der Sonne, deshalb lohnt der Besuch am Vormittag. Im Kloster bekommen Besucher nach Angaben der Reederei traditionell Psimeni Raki, einen warm servierten Raki mit Honig und Gewürzen, und Lokum angeboten.

Es ist ein aktives orthodoxes Kloster, kein Museum. Lange Hosen oder Röcke und bedeckte Schultern sind üblich. Die Öffnungszeiten richten sich nach dem Klosterleben und werden nicht amtlich veröffentlicht. Aktuelle Zeiten kennen Unterkünfte und Hafenagenturen. Zu den ältesten Ikonen im Kloster gehören laut Ephorie ein Christus Pantokrator und eine Panagia Glykofilousa aus der zweiten Hälfte des 14. bis frühen 15. Jahrhunderts.

Weitere Kirchen lohnen den Umweg. Agios Georgios Valsamitis südwestlich der Chora ist laut Blue Star Ferries ein Kloster aus dem 8. Jahrhundert, um das sich eine Wasser-Orakel-Tradition rankt. Bei Langada ist die Kapelle der Heiligen Dreifaltigkeit mit rund 6 Quadratmetern in die Felswand gebaut.

Strände auf Amorgos nach Zugang

Laut GNTO haben nur wenige Strände auf Amorgos Service, die meisten erreicht man zu Fuß oder per Boot. Die Tabelle sortiert die bekanntesten Buchten nach Zugang und Ausstattung. Ruhiges Wasser für Familien mit Kindern bietet laut Blue Star Ferries Agios Pavlos, am meisten Service haben Aigiali und Kalotaritissa.

StrandLageUntergrundZugangService
AigialiNordostenSanddirekt im OrtBars, Tavernen
Agia Annaunter dem Klosterfeiner KiesTreppe von der Straßekeiner
MourosSüdengrauer Sand, KieselFußweg, rund 10 minCafé, kleine Taverne
Maltezibei KatapolaSandBoot oder 20 min FußwegLiegen, Bar
Agios PavlosWestküsteSand, KieselStraßeTaverne
LevrossosNordenSand, TamariskenPfad ab Tholaria, Bootgering
KalotaritissaSüdwestenSand, KieselStraßegut ausgestattet
Gramvousavor Kalotaritissaweißer Sandnur Bootkeiner

Agia Anna ist der Filmstrand aus „Im Rausch der Tiefe“: zwei kleine Buchten mit Höhlen und Blick auf das Kloster. Im Sommer wird es dort schnell eng, früh am Morgen ist es ruhig. Mouros fällt durch hohe Felsen auf, die natürlichen Schatten werfen, und durch Meereshöhlen. Vom Café oben am Pfad sieht man über die Küste.

Maltezi ist von Katapola laut Blue Star Ferries alle 30 bis 60 Minuten per Boot erreichbar, zu Fuß sind es 20 Minuten ab Xylokeratidi. Von Agios Pavlos sind es rund 300 Meter bis zur unbewohnten Insel Nikouria, die per Boot angefahren wird. Wer es ganz einsam mag, wandert ab Tholaria zur Mikri Vlychada.

Rostiges, halb gesunkenes Schiffswrack mit Kranmasten in einer felsigen Bucht mit blauem Wasser
Das Wrack der Olympia im Südwesten von Amorgos liegt in einer felsigen Bucht. Foto: moniek58 / Pixabay (Quelle, Pixabay-Inhaltslizenz)

Das Wrack der Olympia liegt laut GNTO in der Bucht Liveros nahe Kalotaritissa an felsiger Küste. Es ist eines der meistfotografierten Motive der Insel und kam ebenfalls im Film vor. Ein Badestrand ist das nicht, das Ufer besteht aus Fels.

Wandern auf alten Pflasterwegen

Amorgos ist eine Wanderinsel. Blue Star Ferries nennt acht historische Pflasterwege unterschiedlicher Schwierigkeit: Palia Strata, Fotodotis, Itonia, Melania, Pan, Valsamitis, die Alten Mühlen von Langada und Evangelistria. Viele dieser Wege verbanden früher Dörfer, Kapellen und Felder und sind teils noch mit Steinmauern eingefasst.

Eine einfache Halbtagestour ist der Abstieg von der Chora zum Kloster und weiter nach Agia Anna. Längere Strecken laufen im Norden zwischen Aigiali, Tholaria und Langada. Für die Planung taugt eine topografische Wanderkarte der Insel, Mobilfunk ist an der Steilküste nicht überall stabil. Im Juli und August gilt: früh starten, mittags pausieren.

Antike und Museum

Laut Ephorie für Altertümer gab es auf Amorgos in der Antike drei Städte: Arkesini, Minoa und Aigiali. Die Akropolis von Minoa liegt auf dem Berg Moudoulia über Katapola. Besuchen lässt sich die Unterstadt mit Marmortor, einem dorischen Tempel, wohl für Apollon, einem Gymnasion und Wohnhäusern.

Die Archäologische Sammlung in der Chora zeigt Skulpturen und Inschriften. Für die Sommersaison 2026 nennt die Ephorie Öffnungszeiten von 8:30 bis 15:30 Uhr, dienstags ist geschlossen. Außerhalb der Saison können andere Zeiten gelten. Der Eintritt kostet 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Der antike Turm von Agia Triada hat dieselben Zeiten und ist kostenlos. Einlass ist bis 20 Minuten vor Schließung.

Beste Reisezeit für Amorgos

Für Amorgos selbst veröffentlicht der griechische Wetterdienst EMY keine Klimatabelle, wohl aber für die Nachbarinsel Naxos. Die Werte passen gut als Orientierung. Die Tabelle zeigt die mittleren Höchstwerte und Regentage.

MonatMittl. HöchstwertRegentageEignung
April18,7 °C6,0 TageWandern, Meer kalt
Mai22,1 °C3,6 TageWandern, wenig Wind
Juni25,9 °C1,1 TageBaden und Wandern
Juli27,1 °C0,4 TageBaden, oft windig
August27,0 °C0,3 TageBaden, voll, windig
September25,1 °C1,9 TageBaden und Wandern
Oktober21,9 °C5,5 TageWandern, ruhig

Der Wind kommt laut EMY in allen Monaten überwiegend aus Norden. Im Juli und August liegt die mittlere Windstärke rund ein Drittel über der im Mai und Juni. Das ist der Meltemi, und er kann Fähren durcheinanderbringen. Ein Puffertag vor dem Rückflug ist im Hochsommer sinnvoll. Die ausgewogensten Monate sind Juni und September.

Einreise, Geld und Essen

Deutsche Staatsangehörige reisen laut Auswärtigem Amt mit Personalausweis oder Reisepass ein. Gesetzlich Versicherte haben mit der Europäischen Krankenversicherungskarte Anspruch auf dringend nötige Behandlung. Das Auswärtige Amt empfiehlt eine Auslandsreise-Krankenversicherung mit Rücktransport, gerade auf Inseln.

Zum Probieren gehören Psimeni Raki, Fava aus der lokalen Erbse Katsouni und Patatato, ein Ziegen- oder Lammschmortopf mit Kartoffeln.

Häufige Fragen

Ist Amorgos sehr touristisch?

Nein, verglichen mit Santorini oder Mykonos nicht. Im August sind Unterkünfte und die Strände Agia Anna und Aigiali trotzdem voll. Ruhig ist es im Juni und ab Mitte September.

Hat Amorgos einen Flughafen?

Nein. Der nächste Flughafen liegt auf Naxos, von dort geht es per Fähre weiter. Alternativ fährt das Schiff direkt ab Piräus.

Hat Amorgos schöne Strände?

Ja, aber anders als Sandinseln wie Naxos. Viele Buchten sind klein, kiesig und nur zu Fuß oder per Boot erreichbar. Langen Sandstrand mit Infrastruktur bietet vor allem Aigiali.

Braucht man auf Amorgos ein Auto?

Für Kloster, Chora und Strände an der Straße reichen Bus und Taxi in der Saison meist aus. Wer Kato Meria im Süden und den Norden an einem Tag verbinden will, ist mit Mietwagen oder Roller flexibler.

Fazit

Amorgos lohnt sich für Reisende, die wandern, in kleinen Buchten baden und auf Partys verzichten können. Für eine Woche ist Katapola der praktischere Standort für Kloster und Chora, Aigiali der bessere für Strand und Wege im Norden. Als Reisezeit passen Juni und September, für Wanderer auch Mai und Oktober. Die Anreise über Naxos spart oft mehrere Stunden gegenüber der Direktfähre ab Piräus.

Quellen

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